Münnerstadts Windpark-Baustelle ist ein Besuchermagnet

mainpost_wuerzburgIngo Behrendt schaut auf seine Armbanduhr. “Gleich geht´s los”, kündigt der Sicherheitsmann auf der Baustelle des neuen Windparks zwischen Burghausen und Windheim an.

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Foto links: Blick auf die Uhr: Ingo Behrendt schaut auf seine Uhr und weiß, dass er bald mit vielen interessierten Besuchern rechnen muss. Diese muss der Sicherheitsmann oftmals erst überzeugen, dass sie die Baustelle im Umkreis von 200 Metern nicht betreten dürfen. Fotos: Heike Beudert

Foto rechts: Zaungäste: Schnell ein Foto fürs Privatarchiv.

Mit Losgehen meint der Mann in der gelben Sicherheitsweste aber nicht etwa die Arbeiten auf der Baustelle, sondern den Besucherstrom. Pünktlich ab 11 Uhr kommen erfahrungsgemäß die Zaungäste und schauen nach dem Baufortschritt. Ingo Behrendt achtet darauf, dass die Besucher die Baustelle nicht betreten. Da kennt er kein Pardon. Aber auch nachts haben immer drei Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes ein wachsames Auge auf die Baustelle. Denn die Gäste, die zur Nachtzeit kommen, wollen nicht immer nur gucken. Zwölf Stunden dauert die Tagschicht von Ingo Behrendt und zwei weiterer Kollegen. Behrendt hat sich dick eingepackt. Kalt wird es ihm trotzdem manchmal. Für solche Fälle hat er sein Auto dabei. Dort kann er sich zwischendurch kurz aufwärmen – die Zufahrt immer im Blick. Doch viel Zeit bleibt ihm nicht.

Eine Bannmeile
Ingo Behrendt verweist jeden, der fälschlicherweise mit dem Auto in die neu geschaffene Baustellen-Einfahrt fährt oder dort parken will, in die Grenzen – das ist sein Job. Und er macht jedem deutlich – auch der Pressevertreterin – dass in solchen Dingen mit ihm nicht zu spaßen ist. Die meisten, meint er, akzeptieren auch, dass es hier nicht weiter geht. “Ich rede mir gerne den Mund fusselig”, meint Behrendt scherzhaft, weil in seiner langen Zwölfstunden-Schicht immer wieder aufs Neue auf die Verbotsschilder aufmerksam machen muss. Ärgerlich sei nur, wenn das auch nichts nutzt. Das passiert durchaus. Schlimm findet es der Mann aus Bautzen vor allem, wenn Ältere in Begleitung von Kindern die Grenzen nicht akzeptieren wollen. “Sie sollten doch Vorbild sein”, findet er.

Rund um die Baustelle gibt es eine Bannmeile. Die sei nötig, meint Ingo Behrendt. So müsse beispielsweise gewährleistet sein, dass der Lkw-Verkehr ungehindert zu den Windrädern fahren kann. Dazu wurde eine extra-breite Zufahrt geschaffen. Ein Verbotsschild weist daraufhin, dass für Unbefugte die Einfahrt nicht erlaubt ist. Das Schild interessiert nur oftmals nicht, weiß Ingo Behrendt.Kaum sagt er das, liefert ein Passant schon den Beweis für diese Aussage. “Ich bin gleich wieder weg”, tönt es Behrendt entgegen. Tatsächlich ist dieser Mann nach einem kurzen Blick auch gleich wieder im Auto.

Während seiner Arbeitszeit hat Ingo Behrendt auch immer wieder sehr nette Begegnungen. Einige Interessierte kommen regelmäßig. Einer hat dem Sicherheitsmann sogar schon Kaffee und Kuchen mitgebracht. Darüber hat er sich sehr gefreut.

Zaungäste suchen Schleichwege
Der Windheimer Ortssprecher Klaus Schebler kennt die Situation am Windpark, denn er hat eine Art Mittlerrolle zwischen Bürgern und Baufirma übernommen. Schebler bestätigt, dass sich ein regelrechter Baustellen-Tourismus entwickelt hat. Einerseits sei es schön, dass sich die Leute dafür interessieren, andererseits sei es auch schwierig. Schebler weiß um die Findigkeit mancher Mitbürger, wenn es darum geht, trotz aller Verbote einen Schleichweg auf die Baustelle zu finden. Schebler beneidet die Männer vom Sicherheitsdienst nicht um ihre Aufgabe.

Auch der Reichenbacher Kindergarten und Schulen haben nachgefragt, ob Baustellenbesichtigungen möglich sind, weiß Schebler. Auf die Baustelle selbst darf keiner. “Viel zu gefährlich”, meint Schebler. Aufgrund des großen Interesses werde aber überlegt, eine Besucherplattform zu errichten, von der aus man den Baufortschritt verfolgen kann. Das wäre dann ein sicherer Standort – auch für die Kindergartenkinder, meint Schebler.

Nachts geht es für den Sicherheitsdienst vor allem darum, mutwillige Sachbeschädigungen oder Diebstähle zu verhindern. Aus seiner beruflichen Erfahrung weiß Ingo Behrendt, dass auf Baustellen sehr viel geklaut wird. Dieseldiebstahl sei ein großes Problem. Einer der Passanten, die gerade nach dem Baufortschritt gucken, ist selbst am Bau tätig. “Man glaubt gar nicht, was von Baustellen alles geklaut wird”, bestätigt er und erinnert gleich an den jüngsten Fall aus Oberstreu. Dort wurde ein halber Solarpark geklaut.

 

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