Wussten Sie schon…

… wie sich der Strompreis wirklich zusammensetzt und welche Preisbestandteile beeinflussbar sind?

Der Gesamtpreis für Strom besteht aus vielen Preisbestandteilen, von denen nur ein geringer Teil (ca. 20% für den Einkauf der erzeugten Energie und für Vertrieb/Marge) vom Stromanbieter beeinflussbar ist. Der Rest besteht aus staatlichen Abgaben und Umlagen und regulierten Netzentgelten. Zudem unterscheiden sich diese nicht beeinflussbaren Preisbestandteile je nach Wohnort, da es auf die Größe der Kommunen (diese bekommen eine sog. Konzessionsabgabe je Kilowattstunde) und den für den Wohnort zuständigen Netzbetreiber (für Nürnberg ist das z.B. die MDN-Main-Donau-Netzgesellschaft) ankommt.

Stromtarife bestehen üblicherweise aus einem Arbeitspreis pro Kilowattstunde und einem pauschalen Grundpreis. Der Grundpreis deckt die festen Kosten für den Stromanschluss und den Zähler mit ab. Der Arbeitspreis nennt Kosten pro genutzter Kilowattstunde und ist damit an den tatsächlichen Verbrauch gekoppelt. Die jährlichen Stromkosten ergeben sich bei diesem Tarifsystem aus der Multiplikation des Arbeitspreises mit den verbrauchten Kilowattstunden plus der Grundgebühr pro Jahr.

 

Netznutzungsentgelte

Die Netzbetreiber sind zuständig für den Betrieb und die Stabilität der Leitungen und für die Messstellen (Zähler). Die von Ihnen dafür erhobenen Kosten (sowohl je Kilowattstunde als auch ein Grundpreis p.a.) werden Stromanbietern in Rechnung gestellt, die diese an ihre Kunden weiterreichen.
Rund 25 % der Stromkosten entfällt auf die Netznutzungsentgelte, welche die Stromversorger den jeweiligen Netzbetreibern für die Benutzung ihrer Stromnetze und Messeinrichtungen bezahlen müssen, also Gebühren für den Stromtransport und die Zähler, die in der Zuständigkeit der Netzbetreiber liegen. Sie sind damit der größte Einzel-Kostenblock auf der Rechnung der Verbraucher. Energiekunden zahlen über die Netzentgelte die Investitionen in Strom- und Gasnetze sowie eine staatlich garantierte Rendite auf diese Investitionen. Zwar hat die Bundesnetzagentur im September 2016 eine Kürzung der Netzrenditen angekündigt, doch diese gelten erst ab der nächsten Regulierungsperiode, die für Stromnetzbetreiber im Jahr 2019 beginnt und für fünf Jahre dauert. Ab 2019 sollen Netzrenditen von derzeit 9,05 Prozent auf 6,91 Prozent für Neuanlagen und von 7,14 Prozent auf 5,12 Prozent für Altanlagen gelten. Die Netzentgelte werden von den Behörden geprüft und genehmigt.

Konzessionsabgabe

Unter Konzessionsabgaben versteht man Entgelte, die für die Nutzung öffentlicher Wege sowie die Verlegung und der Betrieb von Leitungen, die der Versorgung dienen, zu entrichten haben. Rechtsgrundlage ist die Konzessionsabgabenverordnung. Die Höhe der abzuführenden Beträge richtet sich nach der Einwohneranzahl der betreffenden Gemeinde. Derzeit beträgt die Konzessionsabgabe (netto) bei Strom, der nicht als Schwachlaststrom geliefert wird:

für Kommunen bis 25.000 Einwohner 1,32 Cent je Kilowattstunde,
für Kommunen bis 100.000 Einwohner 1,59 Cent pro Kilowattstunde,
für Kommunen bis 500.000 Einwohner 1,99 Cent pro Kilowattstunde
für Kommunen über 500.000 Einwohner 2,39 Cent pro Kilowattstunde.

Stromsteuer

Verbrauch von elektrischem Strom wird seit dem 01.04.1999 besteuert. Rechtsgrundlage ist das Stromsteuergesetz (StromStG). Sie beträgt derzeit 2,05 Cent netto je Kilowattstunde und wird an den Bund abgeführt. Gemäß Stromsteuergesetz ist die Stromsteuer im Gesamtstrompreis für eine Kilowattstunde Strom enthalten.

EEG-Umlage

Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG, wird die vorrangige Abnahme, Übertragung und Vergütung von Strom aus erneuerbaren Energien geregelt. Ziel des EEG ist es, den Anteil erneuerbarer Energien in der Strom- und Wärmeerzeugung in Deutschland zu erhöhen. Stromversorgungsunternehmen sind daher verpflichtet eine EEG-Umlage zu entrichten. In 2017 beträgt die EEG-Umlage 6,88 Cent netto je Kilowattstunde für Privatverbraucher.

KWK-Umlage

Das im Jahr 2000 auf den Weg gebrachte Gesetz für Einhaltung, Modernisierung und Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung, kurz KWKG genannt, dient der Förderung und Unterstützung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Unter Kraft-Wärme-Kopplung versteht man die Umwandlung eines Energieträgers sowohl in elektrische als auch thermische Energie. Die erhobene KWK-Umlage beträgt für das Kalenderjahr 2017 0,438 Cent netto je Kilowattstunde für Privatverbraucher.

StromNEV-Umlage

Durch die Umlage Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) wird die Entlastung stromintensiver Unternehmen von den Netzentgelten finanziert. Die Betreiber von Übertragungsnetzen sind verpflichtet, entgangene Erlöse, die aus reduzierten, individuellen Netzentgelten resultieren, nachgelagerten Betreibern von Elektrizitätsverteilernetzen zu erstatten. Die entgangenen Erlöse werden dann auf alle Letztverbraucher umgelegt. Für das Kalenderjahr 2017 beträgt diese Umlage 0,388 Cent netto je Kilowattstunde für Privatkunden.

Offshore-Haftungsumlage nach § 17 f EnWG

Diese Umlage gleicht Einnahmeausfälle für Offshore-Windpark-Betreiber durch Netzunterbrechungen ab 10 Tagen oder einen verspäteten Anschluss an das Stromnetz aus. Sie wird auf Grundlage von § 17f des Energiewirtschaftsgesetzes geregelt und existiert seit 2013. Die Höhe der Offshore-Haftungsumlage für das Kalenderjahr 2017 beträgt für Privatkunde -0,028 Cent je Kilowattstunde. Da in den Vorjahren zu viel aus dieser Umlage eingezahlt worden ist, wird aus dem Konto der Umlage Geld zurückgezahlt.

Umlage für abschaltbare Lasten

Die Verordnung zu abschaltbaren Lasten regelt die kurzfristige Stromunterbrechungen bei Industriebetrieben. Für diese Unterbrechung (Lastabwurf) erhalten diese eine Vergütung für die Bereitstellung der Lasten bzw. die Abschaltung. Ziel ist es, die Versorgungssicherheit  bei der Erhaltung der Netzstabilität zu erhöhen. Die Kosten werden auf den Strompreis umgelegt, den die Verbraucher zahlen. Sie liegen in 2017 bei 0,006 Cent netto je Kilowattstunde für Privatkunden.

Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer ist eine allgemeine Verbrauchsteuer, mit der grundsätzlich die vom Endverbraucher erworbenen Güter und in Anspruch genommene Dienstleistungen belastet werden. Sie beträgt in 2017 19 Prozent.

Preis für die reine Energie

Der einzige Preisbestandteil, den Stromanbieter beeinflussen können, ist der Einkaufspreis für die erzeugte Energie und ihre Marge. Dieser bleibt Verbrauchern aber in der Regel völlig intransparent, da er in Angeboten und Abrechnungen mit anderen Preisbestandteilen (bewusst) vermischt wird. Die Produktion bzw. die Beschaffung des Stroms und die Margen der Energieversorger machen ca. 18 % aus.

Seit der Liberalisierung des Energiemarktes und der Entflechtung der Versorgungsstrukturen ist die Wertschöpfungskette der Energiewirtschaft wie folgt aufgebaut:

 

… welche Akteure in der Energiewirtschaft tätig sind?

 

Die Liberalisierung des Energiemarktes öffnete den Strommarkt für die freie Marktwirtschaft und sollte eine Monopolstellung der Energieriesen vermeiden und den Wettbewerb ankurbeln. Seitdem kann jeder Verbraucher seinen Versorger frei wählen.

Ein weiterer Schritt in diese Richtung war die von der EU initiierte Entflechtung (Unbundling), die für eine Trennung von Stromerzeugung, Netzbetrieb und Vertrieb sorgte, um Wettbewerbshemmnisse aufgrund bestehender Konzentration von Wertschöpfungsschritten in Stromkonzernen aufzuheben.

 

Aufbau der Energiewirtschaft

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